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Vier-Tage-Woche in der Therapie: Welche Praxen bieten es an – und was musst du wissen?

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Lena von CuraCareer

22. Juni 2026

Die Vier-Tage-Woche ist kein Zukunftsszenario mehr – sie ist in deutschen Therapiepraxen angekommen. Laut verschiedenen Arbeitsmarktbefragungen aus 2023 und 2024 wünschen sich mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland eine kürzere Arbeitswoche. Für Therapeut:innen, die täglich körperlich und emotional fordernd arbeiten, ist dieser Wunsch besonders nachvollziehbar. Der Fachkräftemangel zwingt viele Praxen zum Umdenken: Wer gute Physio-, Ergo- oder Logotherapeut:innen halten oder gewinnen will, muss attraktive Arbeitszeitmodelle bieten. In NRW – mit rund 18 Millionen Einwohner:innen das bevölkerungsreichste Bundesland und damit auch der größte Therapiemarkt Deutschlands – ist der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte besonders ausgeprägt. Immer mehr Praxisinhaber:innen experimentieren deshalb mit komprimierten Arbeitswochen, Rotationsmodellen oder echten Vier-Tage-Vereinbarungen. Aber was bedeutet die Vier-Tage-Woche für Therapeut:innen konkret? Welche Praxen bieten sie an? Verdient man dabei weniger? Und wie findest du als Fachkraft einen solchen Arbeitsplatz in NRW? Dieser Artikel liefert Antworten – ohne Beschönigungen.

Was die Vier-Tage-Woche in der Therapie konkret bedeutet

Der Begriff "Vier-Tage-Woche" wird unterschiedlich verwendet – und das ist entscheidend, bevor du dich bei einer Praxis bewirbst. Es gibt grundsätzlich drei Varianten, die du kennen solltest:

  • Komprimierte Vollzeit ("Compressed Week"): Du arbeitest weiterhin 38–40 Stunden pro Woche, aber auf vier statt fünf Tage verteilt – also 9,5 bis 10 Stunden täglich. Das Gehalt bleibt unverändert, die Tagesbelastung steigt.
  • Echte Arbeitszeitreduzierung mit Gehaltsausgleich: Die Wochenstunden sinken von z. B. 40 auf 32 Stunden, das Bruttogehalt bleibt gleich. Dieses Modell ist für Therapeut:innen das attraktivste – und wird zunehmend als Recruiting-Argument eingesetzt.
  • Teilzeit-Vier-Tage-Modell: Du arbeitest z. B. 28–32 Stunden auf vier Tage verteilt, mit entsprechend anteiligem Gehalt. Sinnvoll für Familienphasen oder bei Doppelbelastung durch Weiterbildung.

In der Therapiebranche ist das komprimierte Vollzeit-Modell weniger empfehlenswert: Zehn-Stunden-Behandlungstage belasten den Körper und die Konzentration erheblich. Populärer und nachhaltiger ist die echte Reduzierung auf 32–35 Stunden bei gleichem Gehalt – ein Modell, das in wachstumsorientierten Praxen zunehmend Einzug hält.

Welche Praxistypen bieten die Vier-Tage-Woche an?

Eine zentrale Datenbank über Praxen mit Vier-Tage-Modell existiert nicht – die Branche ist zu kleinteilig. Aus Stellenanzeigen, Branchenberichten und Erfahrungen aus der Praxis lassen sich jedoch deutliche Muster erkennen:

  • Größere Praxen mit 10 oder mehr Mitarbeitenden: Hier ist die Vier-Tage-Woche am häufigsten realisierbar, da Rotation und Vertretung durch das Team funktionieren. Patienten werden nicht zwingend von einer einzigen Person betreut.
  • Ambulante Rehazentren und Medizinische Versorgungszentren (MVZ): Größere Teams und strukturierte Schichtpläne erleichtern die Umsetzung. Besonders in Städten wie Köln, Essen oder Dortmund finden sich solche Strukturen häufig.
  • Praxen mit hohem Privatpatientenanteil: Flexiblere Terminplanung erlaubt verdichtetere Arbeitstage ohne Verlust an Patientenkapazität.
  • Praxen mit jungen Inhaberinnen und Inhabern: Die Generation der unter-40-jährigen Praxisleitenden ist deutlich offener für neue Arbeitszeitmodelle – und versteht sie auch als Mittel gegen den Fachkräftemangel.
  • Praxen im ländlichen NRW (z. B. Münsterland, Sauerland): Wo Kandidat:innen rar sind, werden Arbeitsmodelle wie die Vier-Tage-Woche gezielt als Differenzierungsmerkmal eingesetzt.

Kleine Einzelpraxen mit zwei bis vier Therapeut:innen haben es strukturell schwerer: Fällt eine Person aus oder fehlt eine Vertretung, gerät der Betrieb schnell ins Wanken. Dennoch finden sich auch hier kreative Lösungen – etwa wechselnde freie Tage im Monatssystem oder gemeinsam abgestimmte Poolmodelle.

Vier-Tage-Woche und Gehalt: Was verdient man wirklich?

Das ist die entscheidende Frage für die meisten Therapeut:innen – und die Antwort hängt stark vom konkreten Modell ab. Hier eine Übersicht:

  • 32 Stunden bei vollem Gehalt: Kein Einkommensverlust. Bei Physiotherapeut:innen mit 3–7 Jahren Erfahrung in NRW entspricht das ca. 2.800–3.400 Euro brutto/Monat – bei nur vier Arbeitstagen.
  • 32 Stunden als Teilzeit (anteiliges Gehalt): Gehalt sinkt auf ca. 80 % des Vollzeitwertes. Bei Einstiegspositionen in der Ergotherapie kann das bedeuten: 2.000–2.500 Euro brutto/Monat.
  • 40 Stunden komprimiert auf vier Tage: Gleiches Gehalt wie in Vollzeit, jedoch mit erhöhter Tagesbelastung. Nur geeignet, wenn Pausen und Behandlungsstruktur das stützen.
  • Leistungsboni: Einige Praxen kombinieren Stundensenkung mit ergebnisbasierten Prämien – z. B. bei Überschreiten bestimmter Behandlungsquoten oder Patientenzufriedenheitswerten.

Gehaltsrahmen nach Berufsgruppe in NRW (Vollzeit, brutto/Monat, 3–7 Jahre Erfahrung):

  • Physiotherapeut:in: ca. 2.700–3.500 Euro brutto
  • Ergotherapeut:in: ca. 2.500–3.200 Euro brutto
  • Logopäd:in: ca. 2.600–3.300 Euro brutto

Wichtiger Hinweis: Bei einem echten Vier-Tage-Modell mit Gehaltsausgleich liegt der effektive Stundenlohn rechnerisch 20–25 Prozent über dem eines vergleichbaren Fünf-Tage-Angebots. Das ist ein Argument, das du in Gehaltsverhandlungen ruhig benennen kannst.

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Vier-Tage-Woche in NRW: Regionale Besonderheiten und Trends

NRW ist als bevölkerungsreichstes Bundesland auch der größte Therapiemarkt Deutschlands. Allein in Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet gibt es tausende zugelassene Therapiepraxen. Regionale Unterschiede sind dabei spürbar:

  • Köln und Bonn: Starker Wettbewerb unter Praxen führt zu besseren Arbeitsbedingungen. Hier finden sich überproportional viele Stellenanzeigen, die explizit flexible Arbeitszeiten oder Vier-Tage-Modelle erwähnen.
  • Ruhrgebiet (Essen, Dortmund, Bochum): Größere Rehazentren und krankenhausnahe Praxen bieten häufiger Schicht- und Rotationsmodelle, die eine Vier-Tage-Woche strukturell ermöglichen.
  • Düsseldorf: Hohe Dichte an Privatpraxen und internationalen Patient:innen; flexible Arbeitszeitmodelle sind im Premiumsegment weit verbreitet.
  • Münsterland und Ostwestfalen: Ländliche Strukturen mit teils besserem Immobilien- und Lebenshaltungsstandard; Praxen nutzen die Vier-Tage-Woche dort als zentralen Vorteil im Standortwettbewerb.
  • Aachen und Umgebung: Universitätsnähe und grenzübergreifender Fachkräftemarkt – hier sind international informierte Arbeitszeitmodelle keine Seltenheit.

Branchenintern berichten Praxisinhaber:innen, dass Stellenanzeigen mit explizitem Hinweis auf die Vier-Tage-Woche signifikant mehr qualifizierte Bewerbungen generieren als vergleichbare Anzeigen ohne dieses Merkmal – in manchen Fällen doppelt so viele. Das zeigt, wie hoch der Wunsch nach dieser Arbeitsform unter Therapeut:innen ist.

Was du beim Wechsel in eine Vier-Tage-Praxis unbedingt prüfen solltest

Nicht jede Praxis, die mit "Vier-Tage-Woche" wirbt, meint dasselbe darunter. Diese Punkte sind vor der Vertragsunterschrift kritisch zu klären:

  • Vertragsklarheit: Steht "Vier-Tage-Woche" im Arbeitsvertrag mit konkreter Stundenanzahl – oder ist es nur eine mündliche Absprache? Bestehe auf schriftliche Fixierung.
  • Behandlungsquoten: Einige Praxen erwarten bei Vier-Tage-Modellen dieselbe Patientenanzahl wie in fünf Tagen. Das ist keine Entlastung, sondern Verdichtung. Frage konkret nach Stundenplänen und Patientenzahlen.
  • Urlaubsberechnung: Bei vier Arbeitstagen pro Woche werden Urlaubstage nach Arbeitstagen berechnet. 30 Tage Urlaub bei einer Fünf-Tage-Woche entsprechen 24 Tagen bei einer Vier-Tage-Woche – gleiche Kalenderwochen, andere Zahl im Vertrag.
  • Krankheitsvertretung: Wie ist die Praxis aufgestellt, wenn du krank bist? Gibt es einen klaren Vertretungsplan oder bist du auf Kulanz angewiesen?
  • Fortbildungszeiten: Fallen Pflichtschulungen auf deinen freien Tag – oder werden sie als reguläre Arbeitszeit gewertet und vergütet?
  • Probezeit-Regelungen: Gilt das Vier-Tage-Modell ab dem ersten Arbeitstag oder erst nach bestandener Probezeit? Das sollte im Vertrag eindeutig geregelt sein.
"Ich hätte nie gedacht, dass ein freier Mittwoch so viel verändert. Ich komme ausgeruhter zurück, meine Patienten merken den Unterschied – und ich auch." – Physiotherapeutin aus Dortmund, 31 Jahre

Vor- und Nachteile der Vier-Tage-Woche in der Therapie – eine ehrliche Einschätzung

Kein Arbeitszeitmodell ist ohne Kompromisse. Hier eine realistische Gegenüberstellung für Therapeut:innen und Praxen:

  • VORTEIL: Mehr Erholungszeit reduziert Burnout-Risiko – in Gesundheitsberufen berichten Studien von Burnout-Symptomen bei 30–40 % der Beschäftigten.
  • VORTEIL: Drei zusammenhängende freie Tage ermöglichen bessere Vereinbarkeit von Familie, Weiterbildung oder Ehrenamt.
  • VORTEIL: Höhere Mitarbeiterbindung – wer mit seinem Arbeitszeitmodell zufrieden ist, wechselt seltener.
  • VORTEIL: Praxen mit Vier-Tage-Woche erzielen im Recruiting messbar mehr Bewerbungen qualifizierter Kandidat:innen.
  • NACHTEIL: Kürzere Terminverfügbarkeit für Patient:innen – besonders problematisch bei Wartelisten oder Akutfällen.
  • NACHTEIL: Organisatorischer Mehraufwand bei Schicht-, Vertriebs- und Urlaubsplanung für Praxisleitungen.
  • NACHTEIL: Beim komprimierten Vollzeitmodell kann die höhere Tagesbelastung die Erschöpfung steigern statt senken.
  • NACHTEIL: Nicht alle KV-Zulassungsstrukturen ermöglichen einfach reduzierte Öffnungszeiten – hier braucht es kreative Lösungen.

Wer als Therapeut:in gezielt eine Stelle mit Vier-Tage-Woche sucht, muss aktiv recherchieren – denn viele Praxen leben das Modell, ohne es explizit in der Stellenanzeige zu nennen. Plattformen wie CuraCareer, die auf Reverse Recruiting für Therapieberufe in NRW spezialisiert sind, können dabei helfen: Du legst einmalig ein Profil an und beschreibst deine Wünsche – passende Praxen melden sich dann bei dir, statt umgekehrt.

Gesundheitlicher Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschliesslich zu allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine professionelle psychologische, aerztliche oder therapeutische Beratung. Bei ernsthaften psychischen oder koerperlichen Beschwerden wende dich an eine qualifizierte Fachkraft (Psychotherapeut:in, Hausarzt:in oder Facharzt:in). In akuten Krisensituationen erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos unter 0800 111 0 111 (24h, kostenlos). Alle Angaben ohne Gewaehr.

Häufige Fragen

Bekomme ich bei einer Vier-Tage-Woche in der Therapie weniger Gehalt?

Das hängt vom Modell ab. Bei einer echten Vier-Tage-Woche mit Gehaltsausgleich – also 32 Stunden bei vollem Bruttogehalt – verlierst du finanziell nichts. Handelt es sich hingegen um ein Teilzeitmodell mit anteiligem Gehalt (z. B. 80 % Stunden = 80 % Lohn), sinkt dein Einkommen entsprechend. Kläre das unbedingt schriftlich vor Vertragsabschluss.

Wie viele Stunden arbeite ich bei der Vier-Tage-Woche als Therapeut:in?

In der Regel zwischen 28 und 36 Stunden pro Woche, verteilt auf vier Tage – das macht 7 bis 9 Stunden täglich. Das häufigste Modell in deutschen Therapiepraxen ist die 32-Stunden-Woche mit vier Tagen à 8 Stunden, da dies körperlich gut handhabbar bleibt und strukturell einfach umsetzbar ist.

Gibt es in NRW konkrete Praxen, die die Vier-Tage-Woche anbieten?

Ja, aber sie sind nicht zentral gelistet. Größere Praxen, Rehazentren und MVZ in Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet setzen das Modell häufiger um als Kleinpraxen. Am einfachsten erkennst du solche Angebote in Stellenanzeigen, die explizit auf Vier-Tage-Woche, Work-Life-Balance oder flexible Arbeitszeiten hinweisen. Auch ein direktes Nachfragen im Bewerbungsgespräch ist legitim und wird meist positiv aufgenommen.

Ist die Vier-Tage-Woche auch für Berufseinsteiger:innen in der Therapie geeignet?

Grundsätzlich ja – auch Berufseinsteiger:innen können in Praxen mit Vier-Tage-Modell beginnen. Praktisch empfiehlt sich aber etwas Berufserfahrung, da du in verdichteteren Modellen mehr Eigenverantwortung und Selbstorganisation mitbringen musst. Viele Praxen bieten das Modell offiziell erst nach der Probezeit an – frage im Vorstellungsgespräch gezielt danach.

Ändert sich mein Urlaubsanspruch bei einer Vier-Tage-Woche?

Der gesetzliche Urlaubsanspruch basiert in Deutschland auf Arbeitstagen. 30 Tage Urlaub bei einer Fünf-Tage-Woche entsprechen 24 Urlaubstagen bei einer Vier-Tage-Woche – das klingt nach weniger, entspricht aber exakt denselben Kalenderwochen freier Zeit. Prüfe in jedem Fall die vertragliche oder tarifliche Regelung deiner spezifischen Stelle.

Leidet die Patientenversorgung unter der Vier-Tage-Woche?

Nicht zwangsläufig – wenn das Praxisteam groß genug ist, um alle Wochentage durch verschiedene Therapeut:innen abzudecken, merken Patient:innen in der Regel keinen Unterschied. Problematisch wird es, wenn eine Praxis zu wenige Mitarbeitende hat und Terminlücken entstehen. Eine gut geplante Vier-Tage-Woche setzt ausreichende Teamgröße und klare Koordination voraus.

Welchen Wochentag haben Therapeut:innen bei der Vier-Tage-Woche typischerweise frei?

Am häufigsten wird der Mittwoch oder der Freitag als freier Tag gewählt. Der Mittwoch bietet eine natürliche Erholungspause in der Wochenmitte, der Freitag verlängert das Wochenende auf drei Tage. Manche Praxen rotieren den freien Tag monatlich, damit alle Teammitglieder abwechselnd von beiden Varianten profitieren.

Wie finde ich als Therapeut:in gezielt eine Stelle mit Vier-Tage-Woche?

Nutze Suchfilter wie "Teilzeit", "flexible Arbeitszeiten" oder "Vier-Tage-Woche" auf Jobportalen. Ergänzend helfen Berufsverbände wie der VPT oder der dvb sowie regionale Therapeut:innen-Netzwerke auf Social Media – dort kursieren oft Empfehlungen aus erster Hand. Auch das direkte Ansprechen von Praxen in deinem Wunschgebiet lohnt sich, da viele das Modell nicht aktiv bewerben, es aber intern praktizieren.

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