TL;DR: Hausbesuche in der Physiotherapie werden mit 28–40 € pro Behandlung vergütet (inklusive Fahrtkosten) und sind besonders in der Geriatrie und Neurologie lukrativ. Selbstständige Hausbesuchs-Therapeuten erreichen 5.000–7.000 € brutto/Monat. Hier der komplette Guide.
Hausbesuche: Wachsender Markt
Die Nachfrage nach physiotherapeutischen Hausbesuchen explodiert: Alternde Bevölkerung, mehr Pflegebedürftige und der Wunsch nach ambulanter Versorgung statt Klinikaufenthalt treiben den Bedarf. Viele Patienten warten Wochen auf einen Therapeuten für Hausbesuche. Für Physiotherapeuten bedeutet das: hoher Bedarf, gute Vergütung und flexible Arbeitsgestaltung.
Abrechnung und Vergütung 2026
- KG-Hausbesuch: ca. 22 € (KG) + 9 € (Hausbesuchspauschale) = ca. 31 €/Behandlung
- KG-ZNS-Hausbesuch (Bobath/PNF): ca. 31 € + 9 € = ca. 40 €/Behandlung
- KGG ist bei Hausbesuchen nicht möglich (Geräte-Voraussetzung)
- Fahrtkosten: zusätzlich Kilometerpauschale (bei GKV inklusive in Hausbesuchspauschale)
- Privatpatienten: 60–80 €/Behandlung + Fahrtkosten (GOPh / Freihonorar)
Umsatzpotenzial: Angestellt vs. Selbstständig
Angestellt (Praxis mit Hausbesuchsanteil)
Als angestellter Therapeut fährst du typischerweise 4–6 Hausbesuche pro Tag neben der Praxisarbeit. Dein Gehalt ändert sich nicht direkt, aber du erhöhst den Praxisumsatz und stärkst deine Verhandlungsposition. Manche Praxen zahlen Fahrtkostenzuschüsse oder Hausbesuchszulagen (50–200 €/Monat).
Selbstständig (reine Hausbesuchspraxis)
Ohne eigene Praxisräume, nur mit mobilem Equipment: Die kostengünstigste Form der Selbstständigkeit. Investition: 2.000–5.000 € (mobiles Equipment, Auto, Versicherungen). Bei 8 Hausbesuchen pro Tag und 20 Arbeitstagen: 5.000–7.000 € Bruttoumsatz/Monat. Mit KG-ZNS-Qualifikation (Bobath/PNF) noch mehr.
Ausstattung für Hausbesuche
- Mobile Behandlungsliege (klappbar, 8–12 kg): 200–500 €
- Therabänder und Kleingeräte: 50–100 €
- Massageöl/Creme: 20–50 €/Monat
- Einweg-Auflagen: 30–50 €/Monat
- Dokumentations-Tablet oder -Mappe: 100–500 €
- Auto mit ausreichend Kofferraum: Betriebskosten 300–500 €/Monat
- Berufshaftpflicht: ab 200 €/Jahr
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Typische Patientengruppen bei Hausbesuchen
- Geriatrische Patienten (60–70 %): Mobilitätserhalt, Sturzprävention, nach Fraktur
- Neurologische Patienten (15–20 %): Schlaganfall, Parkinson, MS – KG-ZNS
- Postoperative Patienten (10–15 %): Hüft-/Knie-TEP, nicht transportfähig in der Frühphase
- Palliativpatienten (5–10 %): Schmerzlindernde Lagerung, Atemphysiotherapie
Organisation und Routenplanung
Effiziente Routenplanung ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit: Patienten nach Stadtteilen bündeln, feste Wochentage pro Region, Pufferzeiten einplanen. Digitale Tools wie Google Maps Routenplaner oder spezielle Therapie-Software (Theralino, optica) helfen. Faustformel: Maximal 15–20 Minuten Fahrzeit zwischen zwei Patienten, sonst sinkt die Wirtschaftlichkeit.
Herausforderungen und Tipps
- Enge Wohnungen: Kreativität gefragt – Stuhl und Türzarge sind deine Geräte
- Hygiene: Eigene Desinfektion mitbringen, nicht auf Patientenausstattung verlassen
- Alleinarbeit: Kein Team für Rücksprache – Supervision oder Austausch-Netzwerk organisieren
- Sicherheit: Selten, aber möglich – bei unwohlen Situationen sofort abbrechen
- Wetter: Bei Glatteis und Schnee flexibel umplanen können
- Dokumentation unterwegs: Tablet statt Papier spart Zeit und ist professioneller
„Hausbesuche sind mein Traumjob: Ich arbeite selbstständig, plane meinen Tag selbst und verdiene mehr als in der Praxis. Und meine Patienten lieben es, zu Hause therapiert zu werden.“ – Physiotherapeutin, 35, Hausbesuchspraxis Bonn