Keine Praxis, kein Chef, freie Zeiteinteilung. Hausbesuche klingen nach Traumjob. Die Realität: Du bist 4 Stunden im Auto, trägst deine Liege in den 4. Stock und rechnest abends allein ab. Hier ist der ehrliche Vergleich.
Wie funktionieren Hausbesuche?
Hausbesuche werden vom Arzt verordnet, wenn der Patient die Praxis nicht aufsuchen kann, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei schwerer Arthrose oder bei pflegebedürftigen älteren Menschen. Die Kasse zahlt eine Pauschale zusätzlich zum normalen Behandlungssatz, die sogenannte Wegegeldpauschale.
Es gibt zwei Modelle: Angestellt bei einer Praxis oder freiberuflich auf eigene Rechnung. Beide haben völlig unterschiedliche finanzielle Implikationen. Angestellte bekommen ihr normales Gehalt plus eventuell einen Fahrtkostenzuschuss. Freiberufliche rechnen direkt mit der Kasse ab und tragen alle Kosten selbst.
Die häufigsten Diagnosen bei Hausbesuchen: Zustand nach Hüft-TEP oder Knie-TEP, neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose, geriatrische Patienten mit Sturzgefährdung und palliative Fälle. Der Schwerpunkt liegt klar auf Mobilisation, Sturzprävention und Alltagskompetenz.
Verordnung und Ablauf
Der Hausarzt oder Facharzt stellt eine Verordnung aus, auf der „Hausbesuch“ als Behandlungsort vermerkt ist. Du vereinbarst den Termin direkt mit dem Patienten oder den Angehörigen. Die Behandlungszeit beträgt in der Regel 20–30 Minuten: plus An- und Abfahrt. Viele Therapeut:innen berichten, dass die eigentliche Therapie kürzer ist als die Fahrzeit.
Was verdienst du mit Hausbesuchen?
- Hausbesuchspauschale: ca. 10–15 EUR pro Besuch (zusätzlich)
- Angestellt mit Hausbesuchen: 2.600–3.500 EUR wie Praxis-Gehalt
- Freiberuflich: 35–60 EUR pro Behandlung. aber minus Auto, Versicherung, Steuern
- Realistisches Netto freiberuflich: Oft weniger als angestellt
- Kilometer-Pauschale: Ca. 0,50–0,80 EUR/km bei manchen Praxen
Rechenbeispiel: Freiberuflich
- Einnahmen: 6 x 50 EUR = 300 EUR/Tag x 20 Tage = 6.000 EUR/Monat brutto
- Abzüge Auto: Leasing, Benzin, Versicherung = ca. 500–700 EUR/Monat
- Sozialversicherung: Ca. 1.200 EUR/Monat
- Steuern: Ca. 800–1.200 EUR/Monat
- Material, Fortbildung: Ca. 200–300 EUR/Monat
- Realistisches Netto: Ca. 2.500–3.000 EUR, für mehr Aufwand und Risiko
Vorteile von Hausbesuchen
Hausbesuche bieten eine Reihe von Vorteilen, die in der Praxis nicht möglich sind. Du siehst den Patienten in seinem realen Umfeld und kannst die Therapie viel gezielter auf den Alltag abstimmen.
- Alltagsnähe: Du siehst die Treppe, das Badezimmer, die Küche. und kannst konkrete Übungen für genau diese Situationen entwickeln
- Abwechslung: Jeden Tag andere Orte, andere Wohnungen, andere Menschen. kein Routine-Gefühl wie in der Praxis
- Patientennähe: Du bist Gast im Zuhause deiner Patient:innen. Das schafft eine besondere Vertrauensbasis
- Flexibilität: Du planst deine Route selbst (besonders als Freiberufler) und hast mehr Autonomie als in der Praxis
- Dankbarkeit: Patient:innen zu Hause sind oft besonders dankbar. du bist für manche der einzige Kontakt am Tag
- Weniger Bürokratie: Keine Rezeptionsarbeit, kein Telefondienst, keine Praxis-Politik
Nachteile. das verschweigt dir keiner
Die Nachteile werden oft unterschätzt, besonders von Therapeut:innen, die Hausbesuche als Ausweg aus einer schlechten Praxissituation sehen. Die Realität ist weniger romantisch.
- Fahrzeit: 2–4 Stunden pro Tag unbezahlt. das sind 500–1.000 Stunden pro Jahr, die du nicht für Therapie, Familie oder Erholung nutzen kannst
- Equipment: Du bist limitiert auf das, was du tragen kannst. Keine Trainingsgeräte, keine Schlingentische, kein Ultraschall
- Isolation: Kein Team, kein Austausch, keine Fallbesprechungen. Viele entwickeln nach 1–2 Jahren das Gefühl, fachlich zu stagnieren
- Verschleiß: Auto, Benzin, Parkplatzsuche, besonders in Städten wie Köln oder Düsseldorf. Plus: Behandlungsliege in den 4. Stock tragen ist körperlich fordernd
- Unvorhersehbarkeit: Patienten sagen kurzfristig ab, sind nicht zu Hause, oder die Wohnung ist nicht therapiegerecht
- Hygiene: Nicht jede Wohnung ist sauber oder gut belüftet. Das kann belastend sein
- Keine Vertretung: Wenn du krank bist, fällt der Termin aus. Kein Kollege kann einspringen
Ich habe 2 Jahre nur Hausbesuche gemacht. Die Freiheit war toll. aber ich habe mich fachlich kaum weiterentwickelt.
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Der beste Mix: Praxis + einzelne Hausbesuche
Die meisten erfahrenen Therapeut:innen empfehlen einen Mix: 80% Praxis, 20% Hausbesuche. So bleibst du fachlich am Ball, hast ein Team für Austausch und Fallbesprechungen, und die Hausbesuche sind eine willkommene Abwechslung statt eine Belastung.
Viele Praxen in NRW bieten genau dieses Modell an: Du arbeitest 3–4 Tage in der Praxis und fährst 1–2 Halbtage Hausbesuche. Die Praxis organisiert die Termine, stellt ein Dienstfahrzeug oder erstattet Kilometer, und du hast das Sicherheitsnetz eines festen Gehalts. Das ist der Kompromiss, der langfristig am besten funktioniert.
Wie du Praxen mit Hausbesuchs-Option findest
Frag im Vorstellungsgespräch gezielt: Bietet ihr Hausbesuche an? Wie werden Fahrtkosten geregelt? Gibt es ein Dienstfahrzeug? Wie viele Hausbesuche pro Woche? Bei CuraCareer kannst du in deinem Profil angeben, dass du Hausbesuche machen möchtest. und bekommst Praxen vorgeschlagen, die das anbieten.
Angestellt vs. Freiberuflich
- Angestellt: Festes Gehalt, Fahrtkosten erstattet, Sozialversicherung, Urlaub: weniger Freiheit
- Freiberuflich: Mehr Freiheit, höheres Brutto. aber alle Kosten und Risiken selbst
- Empfehlung: Wenn Hausbesuche, dann angestellt. das Risiko wird oft unterschätzt
- Ausnahme: Freiberuflich lohnt sich mit festem Patientenstamm
Hausbesuche: Städtisch vs. Ländlich in NRW
Wo du Hausbesuche machst, verändert das Erlebnis komplett. Die Unterschiede zwischen Köln-Innenstadt und dem Sauerland sind enorm, in Fahrzeit, Patientenstruktur und Wirtschaftlichkeit.
- Städtisch (Köln, Düsseldorf, Essen): Kurze Wege zwischen den Patienten (5–15 Minuten), aber Parkplatzsuche und Stau. In der Kölner Innenstadt verlierst du leicht 20 Minuten pro Stopp für Parkplatz + Fußweg
- Vorstädtisch (Neuss, Ratingen, Hilden, Meerbusch): Guter Kompromiss. Parkplätze vorhanden, Wege 10–20 Minuten, Mischung aus Altbau und Neubau
- Ländlich (Sauerland, Eifel, Bergisches Land): Lange Wege, nur 4–5 Patienten pro Tag realistisch. Dafür: Weniger Stress, mehr Zeit pro Patient, oft dankbarere Klientel
- Tipp: Cluster-Strategie: alle Patienten in einem Stadtteil oder Ort hintereinander planen. Das spart 30–60 Minuten Fahrzeit pro Tag
- Bonus: Manche ländlichen Regionen haben einen so großen Therapeutenmangel, dass Praxen höhere Hausbesuchs-Pauschalen zahlen
Alternative: Die richtige Praxis statt Flucht
Viele fliehen in Hausbesuche, weil ihre Praxis schlecht ist. Aber das Problem ist nicht die Praxis an sich. sondern die falsche Praxis.
Es gibt Praxen mit 45-Minuten-Takt, guter Bezahlung, nettem Team und echtem Gestaltungsspielraum. CuraCareer hilft dir, sie zu finden.
Ich wollte nur noch Hausbesuche machen, weil meine Praxis so schlecht war. Dann habe ich gewechselt. und plötzlich war Praxis-Arbeit wieder toll.
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Equipment für Hausbesuche: Was du wirklich brauchst
Dein Equipment ist auf das beschränkt, was du tragen und im Auto transportieren kannst. Hier die Grundausstattung und optionale Ergänzungen:
- Pflicht: Theraband-Set (verschiedene Stärken), Massagecreme/Öl, Handtuch, Desinfektionsmittel, Dokumentationsmappe oder Tablet
- Empfohlen: Mobile Behandlungsliege (ab 200 EUR, Gewicht 10–14 kg), Faszienrolle, Pezziball (aufblasbar), Igelball-Set
- Optional: Kinesio-Tape, Schlingensystem für Türen (ab 80 EUR), portabler Ultraschall (ab 1.500 EUR: nur für Freiberufliche sinnvoll)
- Auto: Eine klappbare Behandlungsliege passt in fast jeden Kofferraum. Investiere in eine gute Tasche mit Rollen
Versicherung und rechtliche Absicherung
Ob angestellt oder freiberuflich: Du brauchst eine Berufshaftpflichtversicherung. Angestellte sind in der Regel über den Arbeitgeber mitversichert. Freiberufliche müssen sich selbst absichern. die Kosten liegen bei 150–300 EUR pro Jahr. Zusätzlich empfehlenswert: Eine Kfz-Haftpflicht mit erhöhter Deckung, wenn du täglich beruflich unterwegs bist.
Fazit: Hausbesuche bewusst wählen
Hausbesuche können eine wertvolle Ergänzung sein. aber als Haupttätigkeit sind sie finanziell und fachlich riskant. Der beste Weg: Eine gute Praxis als Basis, Hausbesuche als Abwechslung. Wenn du merkst, dass du nur wegen deiner aktuellen Praxis in Hausbesuche flüchten willst, ist ein Praxiswechsel die bessere Lösung.
Mit CuraCareer findest du Praxen in NRW, die einen gesunden Mix aus Praxis-Arbeit und Hausbesuchen anbieten, mit fairem Gehalt, Dienstfahrzeug und echtem Teamgefühl. Erstelle dein Profil in 60 Sekunden und lass dich überraschen.