Klinik bietet Sicherheit und Spezialisierung, Praxis bietet Freiheit und Vielfalt. Welcher Weg passt zu dir?
Gehalt: Klinik liegt vorn
Das Gehalt ist für viele Ergotherapeut:innen ein entscheidender Faktor. In der Klinik bist du fast immer nach Tarif bezahlt, in der Praxis ist das Gehalt Verhandlungssache. Hier die konkreten Zahlen für NRW 2026:
- Klinik (TVöD EG 9a): 2.800–3.500 EUR + Jahressonderzahlung
- Praxis: 2.500–3.400 EUR: verhandelbar, ohne Zuschläge
- Reha-Klinik: Oft der Mittelweg. TVöD-angelehnt
- Universitätsklinik: 2.900–3.600 EUR + Forschungszulagen möglich
- Psychiatrische Klinik: 2.800–3.500 EUR + Psychiatrie-Zuschlag (50–150 EUR)
Benefits jenseits des Gehalts
Das Bruttogehalt ist nicht alles. Kliniken bieten systematisch Benefits, die in der Praxis selten sind:
- Klinik: Betriebliche Altersvorsorge (VBL), Jahressonderzahlung (13. Monatsgehalt), 30 Tage Urlaub, Fortbildungsbudget (oft 1.000–1.500 EUR/Jahr), vermögenswirksame Leistungen
- Praxis: Häufiger Jobrad, flexible Arbeitszeiten, kürzere Entscheidungswege. Fortbildungsbudget variiert stark (0–1.000 EUR/Jahr)
- Gesamtpaket Klinik: ca. 3.000–4.500 EUR Mehrwert pro Jahr durch Benefits
Fachbereiche: Andere Welten
Der größte Unterschied zwischen Klinik und Praxis sind die Patientengruppen und Krankheitsbilder. In der Klinik arbeitest du spezialisiert, in der Praxis oft generalistisch:
- Klinik-Neurologie: Akutphase, schnelle Veränderungen, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma
- Klinik-Psychiatrie: Gruppentherapie, kreative Medien, DBT, Suchterkrankungen
- Klinik-Handchirurgie: Post-OP, Schienenversorgung, Narbenbehandlung
- Klinik-Geriatrie: Sturzprävention, Demenz, Alltagstraining
- Praxis-Pädiatrie: Kinder, langfristige Begleitung, Sensorische Integration
- Praxis-Neurologie: Chronische Patienten, Alltagstraining, Hirnleistungstraining
- Praxis-Orthopädie: Handtherapie, Rheuma, Arbeitsplatzberatung
Arbeitsalltag
Klinik: Feste Zeiten, Teamsitzungen, Visiten, viel Dokumentation. Praxis: Freiere Planung, aber manchmal enger Takt.
Ein typischer Klinik-Tag
- 07:30 – Dienstbeginn, Übergabe vom Nachtdienst
- 08:00 – Visite mit Ärzten und Pflege
- 08:30 – Einzeltherapie: Schlaganfall-Patient, Feinmotorik
- 09:30 – Gruppentherapie: Alltagstraining (Küche)
- 10:30 – Dokumentation, Therapieplanung
- 11:00 – Einzeltherapie: Handchirurgie, Schienenanpassung
- 12:00 – Mittagspause
- 13:00 – Teamsitzung / Fallbesprechung
- 14:00 – Einzeltherapie: Psychiatrie, Belastungserprobung
- 15:30 – Berichte schreiben, Dienstende
Ein typischer Praxis-Tag
- 08:00 – Vorbereitung, Material richten
- 08:30 – Kind (6 Jahre), Sensorische Integration
- 09:30 – Erwachsener, Hirnleistungstraining nach Schlaganfall
- 10:30 – Kind (4 Jahre), Feinmotorik
- 11:30 – Hausbesuch: Senior, Sturzprävention
- 12:30 – Mittagspause
- 13:30 – Elterngespräch + Therapieplanung
- 14:00 – Kind (8 Jahre), LRS-Training
- 15:00 – Erwachsener, Handtherapie
- 16:00 – Dokumentation, Berichte, Feierabend
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Karrierepfade
Beide Wege bieten Aufstiegsmöglichkeiten. aber sie sehen unterschiedlich aus:
- Klinik: Fachtherapeut:in → Teamleitung → Abteilungsleitung
- Praxis: Therapieleitung → Praxisleitung → eigene Praxis
- Reha: Spezialist:in → Projektleitung → Therapieleitung
- Empfehlung: 2–3 Jahre Klinik, dann Praxis
In der Klinik erreichst du Leitungspositionen oft nach 5–8 Jahren. Das Gehalt als Teamleitung liegt bei 3.800–4.500 EUR (TVöD EG 10–11). In der Praxis hängt dein Aufstieg stark vom Arbeitgeber ab: kleine Praxen haben oft keine Hierarchie. Dafür kannst du den Weg in die Selbstständigkeit gehen.
Fortbildung und Spezialisierung
Welche Fortbildungen sich lohnen, hängt stark vom Setting ab:
- Klinik-Neurologie: Bobath, Perfetti, Spiegeltherapie, CIMT
- Klinik-Psychiatrie: DBT, COPM, Motivierende Gesprächsführung
- Klinik-Handchirurgie: DAHTH-Zertifizierung, Schienenherstellung
- Praxis-Pädiatrie: Sensorische Integration (SI), AMPS, Marburger Konzentrationstraining
- Praxis-Neurologie: Affolter, Neurofeedback, Hirnleistungstraining
- Praxis-übergreifend: Manuelle Therapie (ja, auch als Ergo möglich), Bobath
Tipp: Starte in der Klinik, sammle dort spezifische Fortbildungen, und wechsle dann in die Praxis. So bist du breiter aufgestellt als Kolleg:innen, die nur ein Setting kennen.
Die dritte Option: Reha-Einrichtung
TVöD-ähnliches Gehalt, spezialisierte Arbeit, geregelte Zeiten, kein Akut-Stress. Für viele Ergos der Sweet Spot.
In der Reha arbeitest du mit Patienten, die die Akutphase überstanden haben. Du hast mehr Zeit pro Patient (oft 30–45 Minuten), die Therapieziele sind klarer, und du siehst greifbare Fortschritte. Die Reha vereint die Vorteile beider Welten: Sicherheit wie in der Klinik, aber ohne den Akut-Stress. Und die Arbeitszeiten sind fast immer Montag bis Freitag, selten Schichtdienst.
Ich habe 3 Jahre Klinik gemacht, dann 2 Jahre Praxis. Jetzt bin ich in der Reha und bleibe. Gutes Gehalt, 30 Tage Urlaub, 45-Minuten-Takt, keine Wochenenden.. Ergotherapeutin, Reha-Klinik Bonn
Die vierte Option: Interdisziplinäre Praxis
Immer häufiger gibt es in NRW interdisziplinäre Praxen, die Ergo-, Physio- und Logopädie unter einem Dach anbieten. Der Vorteil: Du arbeitest mit anderen Berufsgruppen zusammen, lernst von Kolleg:innen und kannst Patienten ganzheitlicher betreuen. Die Gehälter sind oft höher als in reinen Ergo-Praxen, weil die Praxis insgesamt wirtschaftlich stärker ist.
Fazit: Welcher Weg passt zu dir?
Es gibt keinen objektiv besseren Weg. Klinik ist ideal, wenn du Sicherheit, Spezialisierung und strukturierte Karrierewege suchst. Praxis passt, wenn du Vielfalt, Flexibilität und langfristige Patientenbeziehungen bevorzugst. Reha ist der Kompromiss. Und: Du kannst immer wechseln: deine Grundausbildung qualifiziert dich für alles.