TL;DR: Die Vojta-Fortbildung umfasst 240–300 UE, kostet 2.500–3.500 € und ist der Spezialist für Säuglingstherapie. Die Reflexlokomotion nach Vojta aktiviert angeborene Bewegungsmuster und wird weltweit in der pädiatrischen Neurologie eingesetzt.
Was ist die Vojta-Therapie?
Die Vojta-Therapie wurde in den 1960er Jahren von Prof. Vojta entwickelt und basiert auf dem Prinzip der Reflexlokomotion: Durch Druck auf definierte Körperzonen (Auslösezonen) werden angeborene Bewegungsmuster (Reflexkriechen und Reflexumdrehen) aktiviert. Diese Muster sind bei jedem Menschen angelegt – auch bei Säuglingen und Patienten mit schweren ZNS-Schädigungen. Die Therapie wird hauptsächlich bei Säuglingen mit motorischen Entwicklungsstörungen eingesetzt.
Vojta-Fortbildung: Aufbau
Grundkurs (240–300 UE)
- Theoretische Grundlagen: Reflexlokomotion, Neurophysiologie, Entwicklungskinesiologie
- 10 Auslösezonen: Lage, Druckrichtung, erwartete Bewegungsantwort
- Reflexkriechen und Reflexumdrehen: Technik, Dosierung, Progression
- Vojta-Diagnostik: Lagereaktionen, Primitivreflexe, Beurteilung der Motorik
- Praxis: Übungen an Kursteilnehmern und Babypuppen, Patientendemonstrationen
- Prüfung: Praktisch (Behandlung demonstrieren) + schriftlich
Aufbaukurs Erwachsene (optional, 40–60 UE)
Die Vojta-Therapie wird auch bei Erwachsenen mit ZNS-Schädigungen eingesetzt – der Aufbaukurs vermittelt die Anwendung bei Schlaganfall, SHT und MS. Die Evidenz ist bei Erwachsenen allerdings schwächer als bei Säuglingen.
Anbieter-Vergleich 2026
- Internationale Vojta Gesellschaft (IVG): 3.200 €, Referenz-Anbieter, weltweit anerkannt
- Kinderzentrum München: 3.000 €, IVG-anerkannt, starke Pädiatrie-Anbindung
- ZiFF (Essen): 2.500 €, IVG-anerkannt, NRW-Standort
- Universitätsklinikum Mainz: 2.800 €, IVG-anerkannt, akademisches Umfeld
- Vojta-Zentrum Wien: 3.500 €, IVG-anerkannt, international, deutschsprachig
Einsatzgebiete der Vojta-Therapie
Säuglinge und Kleinkinder (Haupteinsatz)
- Zentrale Koordinationsstörung (Frühgeborene)
- Zerebralparese
- Spina bifida
- Muskelhypotonie
- Asymmetrien (Schiefhals, Schädelasymmetrie)
- Down-Syndrom und andere genetische Syndrome
- Plötzliche Halbseitenlähmung nach kindlichem Schlaganfall
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Erwachsene (Neben-Einsatz)
- Schlaganfall (ergänzend zu Bobath/PNF)
- Schädel-Hirn-Trauma
- Querschnittlähmung
- Multiple Sklerose
Evidenzlage 2026
- Säuglinge mit zentraler Koordinationsstörung: Moderate Evidenz für Verbesserung der motorischen Entwicklung
- Zerebralparese: Moderate Evidenz, vergleichbar mit anderen Konzepten (Bobath-Kinder)
- Erwachsene: Geringe Evidenz, wenige qualitativ hochwertige Studien
- Vojta-Diagnostik (Lagereaktionen): Gute Prädiktionsvalidität für motorische Entwicklungsstörungen
- Kritik: Hohe Belastung für Säuglinge und Eltern durch Schreien während der Therapie
Vojta: Kontroverse Diskussion
Die Vojta-Therapie ist umstritten: Säuglinge schreien häufig während der Behandlung, was Eltern und Therapeuten belastet. Befürworter argumentieren, dass das Schreien eine Aktivierungsreaktion und kein Schmerzausdruck ist. Kritiker sehen eine übermäßige Belastung der Eltern-Kind-Beziehung. In der Praxis wird Vojta häufig mit Bobath-Kinder kombiniert, um die Vorteile beider Konzepte zu nutzen.
„Vojta ist fachlich brilliant – aber du musst lernen, mit den Emotionen der Eltern umzugehen. Die Elternarbeit ist mindestens so wichtig wie die Behandlung selbst.“ – Kinderphysiotherapeutin, Vojta-Therapeutin, 34, München