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Sturzprävention in der Physiotherapie 2026: Programme, Evidenz & Übungen

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Lena von CuraCareer

3. Juni 2026

TL;DR: Stürze sind die häufigste Unfallursache bei über 65-Jährigen (30 % stürzen jährlich). Physiotherapie kann das Sturzrisiko um 23–40 % senken. Evidenzbasierte Programme kombinieren Kraft-, Gleichgewichts- und Dual-Task-Training. Hier der Leitfaden für Therapeuten.

Stürze im Alter: Das Problem in Zahlen

In Deutschland stürzen jährlich rund 4–5 Millionen ältere Menschen (≥65 Jahre) – jeder Dritte mindestens einmal. 10–15 % der Stürze führen zu Verletzungen, 1–2 % zu Hüftfrakturen. Eine Hüftfraktur bedeutet: OP, 3–6 Wochen Krankenhaus, oft dauerhafter Pflegebedarf. 20–30 % der Hüftfrakturpatienten sterben innerhalb eines Jahres. Sturzprävention ist damit eine der wichtigsten Public-Health-Maßnahmen – und Physiotherapeuten sind die Schlüsselakteure.

Risikofaktoren für Stürze

Intrinsische Faktoren

  • Muskelschwäche (stärkster Einzelfaktor, RR 4,4)
  • Gleichgewichtsstörungen (RR 2,9)
  • Gangstörungen (RR 2,9)
  • Sehstörungen (RR 2,5)
  • Kognitive Einschränkungen/Demenz (RR 2,4)
  • Polypharmazie (≥5 Medikamente, besonders Psychopharmaka) (RR 1,7)
  • Vorherige Stürze (stärkster Prädiktor für zukünftige Stürze)

Extrinsische Faktoren

  • Stolperfallen (Teppiche, Kabel, Schwellen)
  • Schlechte Beleuchtung
  • Ungeeignetes Schuhwerk
  • Fehlende Haltegriffe in Bad/Toilette
  • Glatte Böden, fehlende Handläufe

Assessment: Sturzrisiko systematisch erfassen

  • Timed Up and Go (TUG): Aufstehen, 3 m gehen, umdrehen, zurückkommen, hinsetzen. >14 Sek. = erhöhtes Risiko
  • Berg Balance Scale (BBS): 14 Items, max. 56 Punkte. <45 = erhöhtes Sturzrisiko
  • Tinetti-Test (POMA): Gleichgewicht + Gang. Max. 28 Punkte, <20 = hohes Risiko
  • Chair Stand Test (5x Aufstehen): >12 Sek. = Muskelschwäche
  • Sturzanamnese: Anzahl Stürze letzte 12 Monate, Umstände, Sturzangst

Evidenzbasierte Sturzpräventionsprogramme

Otago Exercise Programme

Das am besten untersuchte Sturzpräventionsprogramm weltweit. 5 Kraftübungen + 12 Gleichgewichtsübungen + Gehprogramm. Durchführung: 3x/Woche zu Hause + 2x/Woche Gehen. Supervidiert durch Physiotherapeut (8 Hausbesuche + Telefonanrufe über 12 Monate). Evidenz: Reduktion des Sturzrisikos um 35 % (Campbell et al., mehrere RCTs).

FaMo-S (Fallpräventives Motorisches Training für Senioren)

Deutsches Programm, entwickelt an der DSHS Köln. Gruppentraining (8–12 Teilnehmer), 12 Wochen, 2x/Woche 60 Min. Inhalte: Kraft, Gleichgewicht, Dual-Task, Reaktivkraft. Evidenz: Reduktion des Sturzrisikos um 25–30 %. Kostenlos verfügbar als Manual.

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ProFaNE-Framework

Das ProFaNE-Netzwerk (Prevention of Falls Network Europe) empfiehlt: Multimodales Training mit Schwerpunkt Gleichgewicht, mindestens 3x/Woche, mindestens 3 Stunden/Woche, über mindestens 6 Monate. Kraft + Gleichgewicht + Dual-Task ist die evidenzstärkste Kombination (Sherrington et al. 2019, Cochrane).

Praktische Übungen für die Therapie

Kraftübungen

  • Kniebeugen am Stuhl: 2x10, Steigerung ohne Armstütze
  • Zehenstand: 2x15, Steigerung einbeinig
  • Fersenstand: 2x10, Steigerung auf weichem Untergrund
  • Beinabduktion im Stand: 2x10 pro Seite, Theraband-Steigerung
  • Sit-to-Stand: 5–10 Wiederholungen, Tempo steigern

Gleichgewichtsübungen

  • Tandemstand: 30 Sek., Steigerung mit Kopfdrehung
  • Einbeinstand: 15–30 Sek., Steigerung mit Augenschließen
  • Tandemgang: 10 Schritte vorwärts + rückwärts
  • Gewichtsverlagerung: Seitlich auf Weichbodenmatte
  • Reaktive Balance: Sanfte Stöße, Ausweichschritte üben

Abrechnung und Vergütung

Sturzprävention kann als KG (Einzeltherapie) oder KGG (Gruppentherapie) auf Rezept abgerechnet werden. KGG ist besonders effizient: 3–4 Patienten gleichzeitig, höherer Stundenumsatz. Zusätzlich: Präventionskurse nach §20 SGB V (zertifiziert von der ZPP) als Selbstzahlerleistung, 80–120 € pro Teilnehmer für 8–12 Einheiten.

„Seit wir das Otago-Programm in unserer Praxis anbieten, haben unsere Patienten 40 % weniger Stürze. Und die Kassen bezahlen alles.“ – Praxisinhaber, 45, Münster
Rechtlicher Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschliesslich zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Rechts-, Steuer- oder Berufsberatung dar. Alle Angaben ohne Gewaehr. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen wende dich an eine zugelassene Rechtsanwaltskanzlei oder Steuerkanzlei. CuraCareer uebernimmt keine Haftung fuer die Richtigkeit, Vollstaendigkeit oder Aktualitaet der bereitgestellten Informationen.

Häufige Fragen

Wie effektiv ist Sturzprävention durch Physiotherapie?

Sehr effektiv: Evidenzbasierte Programme reduzieren das Sturzrisiko um 23–40 %. Kraft- und Gleichgewichtstraining ist die wirksamste Einzelmaßnahme. Mindestens 3x/Woche über mindestens 6 Monate für optimale Ergebnisse.

Welches Sturzpräventionsprogramm ist das beste?

Das Otago Exercise Programme hat die stärkste Evidenz (35 % Risikoreduktion). FaMo-S ist die deutsche Alternative mit guter Evidenz. Beide kombinieren Kraft, Gleichgewicht und Gehtraining.

Zahlt die Krankenkasse Sturzprävention?

Auf Rezept: Ja, als KG oder KGG. Präventionskurse nach §20 SGB V werden mit bis zu 80 % bezuschusst (je nach Kasse). Privatversicherte: Erstattung je nach Tarif.

Ab welchem Alter sollte Sturzprävention beginnen?

Empfohlen ab 65 Jahren oder früher bei Risikofaktoren (Sturzgeschichte, Muskelschwäche, Gleichgewichtsprobleme). Prävention „ab 50“ mit Krafttraining ist noch besser – dann stürzt man gar nicht erst.

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