Statt in der Praxis zu sitzen, gehst du dorthin, wo die Kinder sind: in Schulen und Kindergärten. Feste Arbeitszeiten, kein Eltern-Taxi-Stress, direkte Einbindung in den Alltag.
Wie funktioniert Logopädie in Schule und Kita?
- Kooperationsmodell: Du kommst 1–3 Tage/Woche, bist bei deiner Praxis angestellt
- Festanstellung beim Träger: Direkt bei Schule/Kommune angestellt (oft TVöD)
- Inklusionsbegleitung: Unterstützung von Kindern mit Förderbedarf
- Sprachförderprogramme: Gruppenarbeit, präventiv
Kooperationsmodell vs. Festanstellung
Das sind die zwei gängigsten Modelle. Im Kooperationsmodell bleibst du bei deiner Praxis angestellt und gehst 1–3 Tage pro Woche in eine Schule oder Kita. Dein Gehalt kommt weiterhin von der Praxis, die Abrechnung läuft über Heilmittelverordnungen. Vorteil: Du behältst den fachlichen Austausch mit Kolleg:innen.
Bei der Festanstellung bist du direkt beim Träger (Kommune, Diakonie, Caritas, AWO) angestellt. Du arbeitest ausschließlich an der Schule/Kita. Das Gehalt ist meist TVöD: deutlich besser als in der Praxis. Dafür bist du fachlich oft auf dich allein gestellt.
Gehalt und Anstellung
Beim Träger im TVöD: 2.800–3.500 EUR brutto, Jahressonderzahlung, betriebliche Altersvorsorge. Oft 200–400 EUR mehr als in der Praxis.
Gehalt nach Anstellungsform
- Festanstellung TVöD (EG 9a): 2.800–3.500 EUR + Jahressonderzahlung + VBL-Rente
- Kooperationsmodell (Praxis-Gehalt): 2.400–3.200 EUR: abhängig von deiner Praxis
- Freiberuflich (Honorarvertrag): 35–50 EUR/Stunde, ohne Benefits, mehr Risiko
- Schulassistenz (öffentlicher Dienst): 2.500–3.000 EUR: niedriger eingestuft als Therapeutin
Vorteile
- Feste Arbeitszeiten: 8–15/16 Uhr, keine Abendtermine
- Ferien: Bei Festanstellung teilweise frei
- Kein Eltern-Taxi: Die Kinder sind schon da
- Alltagsnähe: Du siehst das Kind im Alltag
- Interdisziplinär: Lehrer, Erzieher, Sonderpädagogen
- Transfer: Therapie-Erfolge direkt im Alltag überprüfbar
- Prävention: Frühförderung bevor Probleme chronisch werden
Nachteile
- Nur Kindersprache. keine Erwachsenen, keine Dysphagie
- Raumsituation: Nicht jede Schule hat einen geeigneten Therapieraum
- Weniger fachlicher Austausch: Oft einzige Therapeutin im Haus
- Bürokratie: Förderpläne, Berichte, Fallkonferenzen
- Abhängigkeit: Du musst dich an den Schulrhythmus anpassen
- Sommerloch: In den Ferien keine Therapie möglich (bei Kooperationsmodell)
Ein typischer Tag als Schul-Logopädin
- 08:00 – Ankunft an der Förderschule, Vorbereitung Therapieraum
- 08:30 – Einzeltherapie: Kind (6 J.), Sigmatismus, Lautanbahnung
- 09:15 – Sprachfördergruppe: 4 Kinder, Wortschatztraining mit Bildkarten
- 10:00 – Pause / Kurzes Gespräch mit Klassenlehrerin über Fortschritte
- 10:30 – Einzeltherapie: Kind (8 J.), Lese-Rechtschreib-Schwäche
- 11:15 – Unterrichtsbeobachtung: Wie setzt das Kind die Therapie-Inhalte um?
- 12:00 – Mittagspause
- 12:45 – Einzeltherapie: Kind (7 J.), Sprachentwicklungsverzögerung
- 13:30 – Elterngespräch (telefonisch oder vor Ort)
- 14:00 – Dokumentation, Therapieberichte, Förderplanaktualisierung
- 15:00 – Feierabend
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Sprachförderung und Prävention
Neben der klassischen 1:1-Therapie gibt es in Schulen und Kitas ein wachsendes Feld: präventive Sprachförderung. In NRW werden Programme wie BISS (Bildung durch Sprache und Schrift) und alltagsintegrierte Sprachförderung umgesetzt. Als Logopädin kannst du hier eine beratende und anleitende Rolle übernehmen.
- Sprachstandserhebung: Delfin 4, SETK, Screenings für ganze Gruppen
- Erzieher-Beratung: Wie fördert man Sprache im Alltag? Vorlesen, Dialogisches Lesen
- Eltern-Workshops: Sprachförderung zu Hause, Mehrsprachigkeit
- Gruppenförderung: Wortschatz, phonologische Bewusstheit, Erzählfähigkeit
- Vorteil: Du erreichst viele Kinder früh, bevor Probleme sich verfestigen
Inklusion: Logopädie an Regelschulen
Mit der Inklusion kommen immer mehr Kinder mit sprachlichen Förderbedarfen an Regelschulen. Das schafft neue Stellen für Logopädinnen: als Therapeutin im multiprofessionellen Team, als Beraterin für Lehrkräfte oder als Fachkraft im Schulischen Unterststützungssystem. In NRW wächst dieser Bereich rasant.
Stellen finden in NRW
- Kommunale Träger: Stellenöffentlich ausgeschrieben (Stadt Düsseldorf, Stadt Köln, Kreis Mettmann etc.)
- Freie Träger: Diakonie, Caritas, AWO, Lebenshilfe: oft auf deren Karriereportalen
- Förderschulen: Sprache, Lernen, emotionale Entwicklung: direkt bei der Schule anfragen
- Sprachheilkindergärten: Spezialisierte Kitas mit therapeutischem Schwerpunkt
- SPZ (Sozialpädiatrische Zentren): Kombinieren medizinische und pädagogische Arbeit
- Frühförderstellen: Ambulante und mobile Arbeit mit Kleinkindern
Für wen eignet sich dieser Weg?
Wenn du Kindersprache liebst, geregelte Zeiten willst und gut im Team arbeiten kannst. Auch guter Wiedereinstieg nach Elternzeit.
Besonders attraktiv ist der Weg für Logopädinnen, die selbst Kinder haben: Die Arbeitszeiten passen perfekt zum Schulrhythmus (8–15 Uhr), und Ferienzeiten überschneiden sich oft mit den eigenen Schulferien. Auch für Berufseinsteiger:innen mit Interesse an Pädiatrie ist es ein hervorragender Einstieg. du sammelst breite Erfahrung mit vielen verschiedenen Störungsbildern.
Seit ich an der Förderschule arbeite, bin ich um 15 Uhr zu Hause, habe 30 Tage Urlaub und sehe die Kinder jeden Tag im Alltag. Ich würde nie zurück in die Praxis.. Logopädin, Förderschule Sprache, Neuss
Fazit: Eine echte Alternative
Logopädie in Schule und Kita ist eine vollwertige Alternative zum Praxisalltag, mit besseren Arbeitszeiten, oft besserem Gehalt und der Möglichkeit, Kinder in ihrem natürlichen Umfeld zu begleiten. Die Nachfrage steigt durch Inklusion und Sprachförderprogramme. Wenn dich Kindersprache begeistert und du geregelte Zeiten brauchst, ist dieser Weg eine ernsthafte Option.